Von Kindesbeinen an hat Andrea einen deutlichen Einfluss auf das Leben ihres Sohnes Max ausgeübt. Doch im Laufe der Zeit wandelte sich dieser sanfte Einfluss zu einem fehlerhaften Mittel, das ihre Beziehung bis ins Erwachsenenalter hinein beeinträchtigte.

Andrea setzte alles daran, für Max da zu sein – sie wollte einfach alles für ihn tun. Doch diese Bemühungen hatten Auswirkungen auf seine eigene Entwicklung. Max verspürte den Drang, die Welt zu entdecken und Neues zu lernen, doch dieser Drang wurde durch Andreas ständige Einmischung erstickt.

Die Verantwortung, die Andrea auf sich lud, wuchs bis zu dem Punkt, an dem Max sich gefangen fühlte. Jeder Versuch von ihm, zu helfen, wurde mit der Begründung abgelehnt, dass er es nicht schaffen würde. Allmählich verlor er den Glauben an seine eigenen Fähigkeiten.

Wenn etwas erledigt werden musste, lernte Max, dass es jemand anders macht. Schließlich hörte er auf, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen, und schob die Schuld für Misserfolge auf andere – insbesondere auf seine Mutter Andrea. „Warum hast du das nicht gemacht?“, war sein typisches Argument.

Andrea litt unter Schuldgefühlen, und ihr Bestreben, diesen Gefühlen auszuweichen, veranlasste sie, immer wieder Dinge für ihren Sohn zu übernehmen. Doch dies war eine Verantwortung ohne die entsprechende Macht. Immer wieder brachte sie Opfer, um Konflikte und das Versagensgefühle zu vermeiden.

Max verließ sich komplett auf seine Mutter. Es machte ihn abhängig. Er lernte, dass alles, was er tat, später korrigiert werden konnte. Dadurch verlor er den Bezug zur Verantwortung. Unterschiedliche Ansichten und andauernde Streitereien zwischen ihnen waren unvermeidliche Konsequenzen.

Die Pubertät brachte weitere Risse in diese ohnehin schon brüchige Beziehung. Max distanzierte sich von zu Hause, verbrachte mehr Zeit mit Freunden und zog sich in seine eigene Welt zurück. Die mangelnde Kommunikation, kombiniert mit Andreas häufigen Eingriffen, verschlimmerte die Situation noch weiter.

Max begann sich zu verhalten, als sei er „allmächtig“, und gab seiner Mutter Anweisungen, was sie zu tun habe. Für sie war es eine schwierige Entscheidung – ihrem Sohn zu gehorchen oder das Risiko eines kompletten Zusammenbruchs der Beziehung einzugehen? Max Ärger gegenüber seiner Mutter wuchs, und die gegenseitige Abhängigkeit zwischen ihnen wurde immer offensichtlicher.

Diese dysfunktionale Symbiose führte lediglich zu anhaltender Spannung und Frustration. Max wurde zum Sklaven seiner Beziehung zu seiner Mutter, während Andrea zu seiner Dienerin wurde. Diese ungesunden Muster spiegelten sich ebenfalls im Erwachsenenalter von Max wider.

Mit zweiunddreißig Jahren kehrte Max nach gescheiterten Versuchen, ein eigenständiges Leben zu führen, nach Hause zurück. Er war immer noch von seiner Mutter abhängig, und die Verbindung zu ihr war weiterhin stark. An diesem Punkt könnten wir viele weitere Lebensgeschichten fortsetzen, in denen eine ungesunde Eltern-Kind-Beziehung eine sinnlose Last mit sich bringt.

Andrea erkannte, dass sie ihr Verhalten ändern musste, um diesen Kreislauf zu durchbrechen. Ihre eigenen Erfahrungen mit ihrem Sohn ermutigten sie dazu, nach einem anderen Ansatz zu suchen. Gleichzeitig wurde ihr bewusst, wie ihre eigene Kindheit sie in ihrer Rolle als Elternteil und als Erwachsene einschränkte.

Es liegt an uns, aus solchen Geschichten zu lernen und zu verhindern, dass wir sie wiederholen. Wir müssen die Verantwortung für unser eigenes Leben und für die Zukunft unserer Kinder übernehmen. Nur so können wir Generationsmuster unterbrechen und wahre Freiheit und Befreiung von der Vergangenheit erreichen.

Schlussbemerkung

Generationsübertragungen erstrecken sich über mehrere Generationen entlang unserer familiären Linien. Sie sind zwar unsichtbar, jedoch umso bedeutsamer. Es handelt sich um eine Art Automatismus, der weitergegeben wird und Einfluss auf unsere Erziehung und Lebensverläufe nimmt. Durch ihre Enthüllung und Verarbeitung erhalten wir die Möglichkeit, freier zu leben. Ein großer Vorteil besteht darin, dass uns ein Instrument zur Verfügung steht, mit dem dieser Prozess schnell, sicher und äußerst präzise durchgeführt werden kann.

Bemerkung: Die im Text erwähnten Personen Max und Andrea sind fiktive Namen, die zur Veranschaulichung der beschriebenen Beziehungsdynamik verwendet wurden.